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17.02.2026, Gunnar Neef

Software Sovereignty Scale: Wie Dries Buytaert digitale Souveränität neu definiert

Ist "Buy European" genug? Erfahren Sie, warum wahre digitale Souveränität nicht vom Standort, sondern von der Lizenz und dem Urheberrecht abhängt.

Mehr als nur ein Standortvorteil

In der europäischen Debatte über digitale Unabhängigkeit fällt oft der Ruf nach "Buy European". Die Logik dahinter ist simpel: Wer sich von US-Technologie lösen will, soll bei europäischen Firmen kaufen. Doch greift das zu kurz?

Dries Buytaert, der Gründer von Drupal, hat dazu eine klare Meinung: Souveränität ist keine Frage der Geografie, sondern der Kontrolle. Es geht nicht darum, wo das Hauptquartier eines Unternehmens steht, sondern wer letztlich die Macht über den Code hat. Die entscheidende Frage für jedes Unternehmen und jede Regierung lautet:

"Kann mir jemand diese Software wegnehmen?"

Um diese Frage systematisch zu beantworten, hat Dries die Software Sovereignty Scale entworfen – ein fünfstufiges Modell, das Software nach ihrer strukturellen Souveränität bewertet.

The Software Sovereignty Scale Framework

Die Software Sovereignty Scale ordnet Software von Stufe E (vollständige Abhängigkeit) bis Stufe A (strukturelle Souveränität) ein. Quelle: Dries Buytaert

5 Stufen der Software-Souveränität

Ähnlich wie bei den bekannten Energieeffizienzklassen reicht die Skala von A (höchste Souveränität) bis E (totale Abhängigkeit). Hier zeigt sich deutlich, wie sich verschiedene Software-Typen in Bezug auf das Risiko unterscheiden, dass der Zugriff oder die Kontrolle verloren geht:

The Software Sovereignty Scale Framework Table

Detaillierter Vergleich der Software-Typen und deren Risiken. Quelle: Dries Buytaert

Warum "Buy European" allein nicht reicht

Stufe D (Europäische proprietäre Software) bietet zwar Vorteile wie DSGVO-Konformität und lokale Ansprechpartner, doch die Souveränität ist oft nur vorübergehend. Dries nennt das Beispiel Skype: Gegründet von einem Schweden und einem Dänen, entwickelt in Estland, Hauptsitz in Luxemburg. Nach Übernahmen durch eBay und schließlich Microsoft wurde aus einer europäischen Vorzeigetechnologie ein US-amerikanisches Produkt.

Open Source hingegen trennt den Code von einzelnen Unternehmen oder Ländern. Aber: Nicht jeder Open-Source-Ansatz ist gleichermaßen sicher.

Die Nuancen bei Open Source

  1. Stufe C (Permissive Open Source): Lizenzen wie MIT oder Apache erlauben es Firmen, den Code zu nehmen und daraus proprietäre (geschlossene) Ableger zu machen. Ein aktuelles Beispiel ist Redis, das nach 15 Jahren die Lizenz änderte. Die Community rettete sich durch einen Fork namens Valkey.
  2. Stufe B (Copyleft + ein Urheberrechtshalter): Lizenzen wie die GPL (wie bei MySQL) garantieren, dass der Code offen bleibt. Aber: Wenn eine einzige Firma alle Rechte hält, kann sie zukünftige Versionen unter eine andere, geschlossene Lizenz stellen.
  3. Stufe A (Copyleft + verteiltes Urheberrecht): Das ist der Goldstandard. Projekte wie Linux oder Drupal gehören tausenden von Beitragenden. Es ist praktisch unmöglich, die Lizenz nachträglich zu ändern, da man die Zustimmung jedes einzelnen Entwicklers bräuchte. Diese Software kann einem niemand wegnehmen.

Empfehlungen für die EU

Dries Buytaert plädiert dafür, dass die Europäische Kommission und öffentliche Verwaltungen diese Skala in ihre Beschaffungsrichtlinien aufnehmen. Er schlägt vor, das bestehende "Cloud Sovereignty Framework" zu verschärfen:

  • Unterscheidung der Lizenztypen: Ein Fokus auf Copyleft-Lizenzen, die sicherstellen, dass Software dauerhaft offen bleibt.
  • Bewertung der Urheberrechtskonzentration: Erkennen von Risiken durch Single-Vendor-Strategien.
  • Förderung von Maintainern: Wie in einem weiteren Artikel auf The Drop Times betont, sollte die EU Open-Source-Maintainer direkt unterstützen, um die digitale Infrastruktur abzusichern.

Fazit: Nachhaltigkeit durch Stufe A

Als Drupal-Agentur aus Konstanz unterstützen wir diesen Vorstoß vollumfänglich. Für unsere Kunden bedeutet der Einsatz von Drupal (Stufe A) nicht nur technische Exzellenz, sondern echte Investitionssicherheit. In einer Welt, in der Software-Anbieter Preise diktieren oder von heute auf morgen aufgekauft werden, bietet Drupal eine digitale Heimat, die bleibt.

Wie souverän ist Ihre Software-Landschaft? Wir bei Tojio helfen Ihnen, ambitionierte digitale Projekte auf einer stabilen und unabhängigen Basis zu realisieren.

Links

Möchten Sie wissen, wie Sie Ihre digitale Strategie auf "Stufe A" heben können? Kontaktieren Sie uns bei Tojio – wir beraten Sie gerne!